Meist schließt sich die Operation direkt an die Diagnose an. Mitunter gehen ihr jedoch auch eine Chemo-, Antihormon- oder Antikörpertherapie voran, um den Tumor zu verkleinern. Ziel der Operation ist es, alle Tumorzellen aus der Brust zu entfernen. Dazu wird sicherheitshalber auch etwas von dem umgebendem gesunden Gewebe mit entnommen. In der anschließenden feingeweblichen Untersuchung werden die Schnittränder daraufhin untersucht, ob sie Tumorzellen enthalten. Wenn nicht, kann davon ausgegangen werden, dass der Tumor vollständig entfernt wurde.
Brusterhaltende Operation
Brusterhaltende Operationen bergen für die Patientinnen kein höheres Rückfallrisiko als die radikale Brustentfernung, wenn der Tumor mit einem „Sicherheitsrand“ von etwa einem Zentimeter gesundem Gewebe entfernt werden kann.
Ob brusterhaltend operiert werden kann, hängt von der individuellen Beschaffenheit des Tumors ab:
- Der Tumor darf im Verhältnis zur Brust nicht zu groß und muss örtlich begrenzt sein.
- Brusthaut und Brustwandmuskulatur dürfen nicht betroffen sein.
- Es dürfen keine weiteren Tumoren in der Brust vorhanden sein.
- Es dürfen keine zusätzlichen ausgedehnten Brustkrebsvorstufen vorhanden sein.
Nur bei wenigen Patientinnen muss die gesamte Brust amputiert werden: Brustdrüse, Haut und Hüllschicht des Brustmuskels (Faszie). Eine solche Mastektomie wird notwendig,
- wenn der Tumor zu groß ist,
- wenn an mehreren Stellen Tumoren wachsen,
- wenn die Brusthaut betroffen ist,
- wenn Brustkrebsvorstufen in der gesamten Brust vorhanden sind oder
- wenn bei einer vorangegangenen Operation der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte.
Nebenwirkungen von Brustoperationen
Wie bei allen Operationen kann es in seltenen Fällen zu Wundheilungsstörungen und/oder Infektionen kommen. Meist verheilt die Wunde jedoch innerhalb von etwa drei Wochen. Weil bei der Operation auch Haut entfernt wird, kann es danach vorübergehend zu Spannungsgefühlen kommen, bis die verbliebene Haut sich gedehnt hat.
Nach brusterhaltenden Operationen empfiehlt es sich mitunter, die Restbrust mit einem speziellen Büstenhalter zu stützen. Frauen mit großer Brust, bei denen eine Mastektomie erfolgt ist, neigen nach der Operation zu Fehlhaltungen wegen der unterschiedlichen Gewichtsverteilung. Diese kann zu Verspannungen und Schmerzen im Schulterbereich führen. Darum empfiehlt sich hier allein schon aus orthopädischen Gründen das Tragen einer externen Prothese.
Nach der Operation
An die Operation schließen sich in den meisten Fällen weitere Therapien an, um Rückfällen vorzubeugen und noch verbliebene Krebszellen abzutöten. Häufig wird die Brust zuerst bestrahlt, aber auch Antihormonbehandlungen, Chemotherapien oder molekularbiologische Therapien sind möglich. Wenn sich nach einer brusterhaltenden Operation ein sichtbarer Größenunterschied eingestellt hat oder wenn während einer Mastektomie noch keine kosmetischen Schritte unternommen wurden, kann nach dem Abschluss der Behandlung eine Brustrekonstruktion erfolgen.
Entfernung der Lymphknoten
Entfernung des Wächter-Lymphknotens
Um möglichst vielen Patientinnen die unangenehmen Folgen der vorsorglichen Lymphknoten-Entfernung zu ersparen, können zunächst nur ein bis drei Lymphknoten entnommen werden – und zwar die ersten, der auf der Lymphbahn zwischen Brust und Achselhöhle liegt. Zuvor werden diese sogenannten Wächter- oder Sentinel-Lymphknoten durch Einspritzung eines Farbstoffs und/oder einer leicht radioaktiven Substanz identifiziert und markiert.
Werden bei der anschließenden feingeweblichen Untersuchung der Lymphknoten keine Krebszellen gefunden, kann man davon ausgehen, dass der Tumor noch nicht gestreut hat und sich somit weder in anderen Lymphknoten noch an anderen Körperstellen Metastasen befinden.
Die Sentinel-Biopsie wird noch nicht für alle Formen von Brusttumoren empfohlen, sondern nur für kleine Tumoren (< 2 cm) mit geringem Risiko für eine Lymphknotenansiedlung.
Nebenwirkungen der Lymphknotenentfernung
Bei der Entfernung von Lymphknoten im Achselbereich werden kleine Nerven durchtrennt. Dies kann zu einer Beeinträchtigung der Beweglichkeit der Schulter und des Armes und zu Sensibilitätsstörungen führen. Als postoperative Komplikation können langfristig – mitunter erst Jahre später - Lymphödeme auftreten: Durch die Unterbrechung der Abflusswege staut sich die Lymphflüssigkeit und der Arm schwillt an und schmerzt. Behandelt wird das Lymphödem beispielweise durch Hochlagern und Wickeln, durch das Tragen eines Armstrumpfes oder durch die manuelle Lymphdrainage, eine spezielle Massagetechnik.
© Deutsche Krebsgesellschaft 2009
